< zurück zum Blog von Samantha Stadler
< zurück zum Universitätsprofil: Carleton University

Kanada vs. Deutschland

Hallihallo!

So, das Semester neigt sich schon wieder dem Ende zu… Ich kann’s kaum fassen, wie schnell die Zeit vergeht. Ich glaube, das stresst mich am aller meisten. Nun ja, dagegen sind wir machtlos ;) Außer: im Moment zu leben! Das Semester neigt sich aber wirklich dem Ende zu: Morgen bricht die letzte Woche an, in der ich noch Vorlesungen habe. Danach ist vorlesungsfreie und Prüfungszeit, die geht bis zum 21.12.19.

Heute dachte ich mir aber, gebe ich mal ein paar allgemeine Unterschiede zwischen Deutschland und Kanada zum Besten.

  1. Was (oberflächliche) Freundlichkeit und Höflichkeit angeht, können wir uns Deutsche einiges von den Kanadiern abschauen!
  • Betritt man einen Laden, dauert es keine 2min bis man angesprochen wird, ob alles passt oder man Hilfe braucht. 
  • Im Bus gibt es gekennzeichnete Sitze für ältere Personen, Mütter mit Kindern etc. Das wird hier äußerst ernst genommen! Falls sich andere Leute hier hinsetzen, wird sofort aufgestanden, wenn eine „bedürftigere“ Person kommt. Auch allgemein, werden hier regelmäßig älteren oder schwer bepackten Leuten die Sitze angeboten. Das kenne ich aus Deutschland nicht so konsequent ;)
  • „Hi, how are you today?“ Ist der Standardspruch von Kassiererinnen, Verkäufern etc. PP. Worauf aber keine ehrliche Antwort erwartet wird. Nur ein kurzes „Hey, I’m fine thanks.“, dann geht’s mit dem Geschäft weiter. Wenn man nett ist, fragt man noch zurück „How about you?“, darauf folgt dann meist ein „Not too bad.“und die Geschichte ist gegessen. Ein einfaches „Hallo“ gibt es nicht ;) 
  • Außerdem wird sich recht schnell wegen jeder Kleinigkeit entschuldigt:„Excuse me“ , „Sorry“, … sei es nur, wenn sie an dir im Supermarktgang vorbeigehen. Es gibt sogar Shirts, auf denen „Sorry“ steht. Dafür sind ja Kanadier auch bekannt, dass sie einfach sehr zuvorkommende Leute sind. Hat sich bewahrheitet!

2. Obwohl Ottawa Kanadas Hauptstadt und somit auch eine Großstadt ist, lässt - wie schon öfters nebenbei erwähnt - der öffentliche Nahverkehr zu wünschen übrig.

  • Die Busse kommen sehr unzuverlässig.
  • Die S-Bahn wurde erst dieses Jahr im September eröffnet, anscheinend nach sehr langem Hin und Her. Sie kommt einer deutschen S-Bahn relativ nah, auch was die Pünktlichkeit angeht. Leider ist sie wortwörtlich die Einzige in ganz Ottawa. Eine einzige S-Bahn. Damit wird natürlich auch nur die Innenstadt teilweise abgedeckt, die umliegenden Ortschaften können zuschauen. 
  • Die andere „S-Bahn“, es ist eher ein Zug, der sage und schreibe fünf Stationen (!) anfährt und sich im Schneckentempo vorwärtsbewegt. Die beiden Linien bilden grob gesehen ein T, also deckt der Zug zusätzlich noch ein bisschen mehr ab. Ein bisschen. 
  • Eine Freundin von mir wohnt mit dem Auto gut 45min (ohne Verkehr) entfernt, hier fährt z.B. kein einziger Bus mehr hin…

3. Kommen wir wieder zu einer coolen Sache, die es in vielen Ländern so gibt, nur halt in Deutschland nicht, Öffnungszeiten: Die Läden haben viel länger und auch sonntags offen und manche sogar 24/7. Ich muss sagen, verglichen zu Toronto oder den USA haben die Geschäfte hier noch relativ „kurz“ offen. Manche machen schon um 21:00 oder 22:00 Uhr zu. Für deutsche Verhältnisse ist das der Wahnsinn! (Okay, in deutschen Großstädten schaut das auch wieder ein bisschen anders aus, aber trotzdem!) Womit Deutschland definitiv nicht dienen kann ist, dass hier auch sonntags alles geöffnet hat. Sollten wir auch einführen meiner Meinung nach, find ich super! Ja, dass manche dann auch noch 24/7 offen haben, setzt dem ganzen natürlich noch die Krone auf!

4. Wir wechseln uns hier so ein bisschen ab, jetzt kommt wieder was - meiner Meinung nach - Nerviges und total Sinnfreies: Alle Preise, die ihr im Supermarkt, in Geschäften, im Foodcourt, … seht, sind alle ohne Steuern, die müsst ihr gedanklich immer noch mit drauf rechnen. Und da frag ich mich wirklich, was ist da bitte der Sinn dahinter? Sagt mir doch einfach klipp und klar, wie viel das Ganze dann letztendlich kostet?! Das find ich wirklich total nervig. Auf Märkten oder so kleinen Ständen kommen keine Steuern mehr drauf, aber das sind wirklich die Ausnahmen.

5. Ich weiß nicht, vielleicht kommt das bei uns auch bald, aber hier wird zu 90% alles mit Kreditkarte gezahlt. Steht man bei Tim Hortons und der vor einem hat einen Kaffee und einen Donut bestellt, wird das per Tap&Go über die Kreditkarte gezahlt. Manche Kassierer wirken sogar etwas überfordert, wenn ich mal mit Bargeld bezahle. Bin mir noch etwas unschlüssig, was ich davon halten soll. Geht einerseits natürlich ruck zuck, ohne Gekrame und Wechselgeld, aber ist natürlich auch die totale Überwachung.

6. Nochmal zurück zur Uni: Die ist so, wie man - ich - sie sich immer vorstellt:

  • Ziemlich groß
  • Viele verschiedene „Residence Häuser“ direkt am Campus
  • Zahlreiche, eigene Sportteams von Football und Basketball über Fußball bis hin zu Hockey. Sowohl Männer als auch Frauenmannschaften
  • Dazu natürlich Cheerleader, die auf allen Spielen dabei sind
  • Die Rivalität zwischen den Unis in Ottawa
  • Unzählige Clubs, in die man sich einschreiben kann. Dance-Clubs, andere Sport-Clubs (unter anderem Quidditch), Unicef, Debattier-Clubs, Outdoor-Clubs, A Capella-Clubs, … und so weiter und so fort
  • Eigenes Gym, inklusive verschiedenste Kurse

7. Das führt mehr oder weniger zum nächsten Punkt, was mich am meisten gewundert hat an der Uni: es gibt keine so wirkliche Mensa - außer für die, die am Campus wohnen. Es gibt nur einen Foodcourt, in dem Subway, Pizza, Burger, Sushi, Shawarma, … vertreten sind, man aber den vollen Preis zahlen muss. Also nichts mit Studentenangeboten.

8. Machen wir doch gleich weiter mit der Uni. Das System hier - auch schon hin und wieder angesprochen - ist komplett anders. Es erinnert wirklich eher an eine Schule als an eine Universität. Meine Kommilitonen meinten zwar, dass nicht jeder Prof wöchentliche Assignments gibt - ich Glückliche -, aber dennoch. Es gibt Midterms, was an sich auch schon ein großer Unterschied ist. Man muss hier wirklich jede Woche im Kopf haben, wann  was in welchem Fach fällig ist. Der allergrößte Stressfaktor für mich. Deswegen bevorzuge ich ganz klar unsere Version ;)

Dann generell sind auch die Semester ein wenig anders als bei uns. Theoretisch gibt es 3 Semester in einem Jahr, jedoch ist das Sommersemester (von Mai bis August meines Wissens nach) fakultativ. Falls man noch ein paar Punkte braucht, kann man hier noch einen Kurs belegen, muss man aber nicht. Der Rest hat dann eben 4 Monate am Stück frei. Das Herbstsemester geht von Anfang September bis kurz vor Weihnachten (inklusive der Prüfungszeit) und das Wintersemester geht dann gleich Anfang Januar los bis Ende April.

9. Nun zurück zu etwas Allgemeinerem: DIE TEMPERATUREN.

Davor hatte ich ja wirklich etwas Bammel, vor allem als ich herausgefunden hab, dass Ottawa tatsächlich die kälteste Hauptstadt der Welt ist und letztes Jahr Temperaturen von bis zu -40°C erreicht wurden. Deshalb spreche ich fast jeden Kanadier auf den Winter hier an und irgendwie fangen dabei alle immer nur an zu lachen… das kann kein gutes Zeichen sein. Aber der wirkliche Winter soll erst im Januar losgehen, da bin ich dann größtenteils in der sonnigen Karibik ;) Trotzdem hatten wir jetzt schon ein paar Tage Schnee - so viel hat’s letztes Jahr im ganzen Winter zu Hause nicht geschneit - und Kälte. Das Kälteste, das ich bis jetzt erlebt habe, waren -14°, die sich aber laut Handy - das Handy hatte recht - wie -23° angefühlt haben. Und ich muss wirklich sagen, das ist einfach eine andere Kälte. Das ist schneidend, arschkalt (sorry für den Ausdruck, aber ein anderes Wort wird dem nicht gerecht). Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich noch anziehen soll, wenn’s noch kälter wird… wünscht mir Glück!

Aber um zum Positiven zurückzukommen: Ich habe wohl sehr gute Chancen auf weiße Weihnacht dieses Jahr! Das hatten wir in Deutschland ja seit mindestens 10 Jahren nicht mehr. Zumindest nicht dort, wo ich wohne.

Schnee1

10. Noch was Erfreuliches zum Abschluss: man hört ja immer vom berühmten Black Friday und auch in Deutschland geht das ja langsam los mit den Prozenten, aber verglichen zu hier (oder den USA) ist das ein Witz. Richtet man sich das im Laufe des Jahres so ein, dass man die großen Anschaffungen am Black Friday machen kann, spart man wirklich einiges. Ich war natürlich auch fleißig shoppen ;)

Schnee Uni

Auch sonst feiern die Kanadier gern, z.B. Halloween. Ich hab’s leider auf keine Hausparty geschafft, aber man merkt einfach, dass das hier nach wie vor mehr gefeiert wird als bei uns. Es wird fleißig dekoriert, alle Läden sind voller Halloween-Deko, Halloween-Süßigkeiten oder Kostüme. Das wird den ganzen Oktober zelebriert, bis der November vor der Tür steht, dann schwingt das zu Weihnachten über. Auch ich muss gestehen, dass ich noch nie so früh in Weihnachtsstimmung war, wie in diesem Jahr. Das mag an dem frühen Schnee liegen oder an den seit Wochen weihnachtlichen Geschäften, auf jeden Fall steht mein kleiner persönlicher Weihnachtsbaum schon und auch der Rest der Wohnung glitzert und funkelt ;) Sobald ich Weihnachten hier erlebt habe, werde ich euch davon berichten!

Mini Christbaum

Bis dahin,

See ya!

Samantha Stadler zuletzt bearbeitet am 02.12.2019