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Leben im kanadischen Studentenwohnheim

Nachdem ich jetzt viel über meine Erlebnisse hier vor Ort berichtet habe, soll es in diesem und den nächsten Blogeinträgen um die ganz alltäglichen und praktischen Dinge gehen: Wohnen, Essen und  Finanzen.

Starten wir heute mit dem Wohnen. Nachdem ich die Zusage von der Brock für das Studium bekommen habe, stand natürlich sehr schnell die Frage nach der passenden Unterkunft an. Was auf jeden Fall klar war, dass ich nicht wie bei meinem letzten Auslandssemester mit zwei deutschen Freundinnen zusammenwohnen möchte. Natürlich war das einfach und ziemlich bequem, aber dadurch habe ich weniger mit neuen Freunden unternommen. Da ich aber eh niemanden kannte, der zur gleichen Zeit an die Brock wollte, gab es diese Möglichkeit gar nicht.

Daher bestand die Auswahl zwischen den Studentenwohnheimen und einem Zimmer in der Umgebung oder der Stadt. Bevor die Bewerbungsphase für die Wohnheime begann, hatte ich schon gesehen, dass es genug Zimmer in St. Catharines vermietet werden. Die Idee auf dem Campus zu wohnen, da die Sportangebote zu nutzen, nicht im Dezember in der Dunkelheit und Kälte mit dem Bus irgendwo hin zu müssen, fand ich aber ziemlich charmant. Also habe ich mich auf ein Einzelzimmer beworben und es auch bekommen.

Prinzipiell gibt es hier ganz unterschiedliche Arten von Wohnheimen, die Auswahl besteht auch zwischen Einzel- und Zweibettzimmer sowie die Möglichkeit zwischen drei unterschiedlichen Essensplänen zu wählen. Bezüglich des Essens schreibe ich aber in einem anderen Blogeintrag mehr. Da mir nur wichtig war, dass ich ein Einzelzimmer bekomme, habe ich die weiteren Details unbeachtet gelassen und bin da eher nach dem Preis gegangen. Denn, anders als gewohnt, ist ein Zimmer im Studentenwohnheim teurer als ein Zimmer außerhalb vom Campus. Daher wohne ich jetzt in DeCew, dem günstigsten und ältesten Wohnheim, welches aber an der einen Seite schon renoviert wird. Ich wohne mit 10 kanadischen Erstsemestern und einem Austauschstudenten aus Frankreich zusammen. Es gibt einen Waschraum pro Geschlecht, einen Gemeinschaftsraum, Mikrowelle und Wasserkocher. Eine Küche haben wir nicht, dafür müssen wir uns um die Reinigung der Waschräume nicht kümmern. Großer Nachteil, in unserem Wohnheim, ist allerdings, dass der Gemeinschaftsraum offen ist und alle Zimmer mehr oder weniger davon abgehen.

Heißt, dass man alle Partys, auch die aus anderen Stockwerken, mitbekommt. Das wird spätestens dann nervig, wann man nächsten früh eine Prüfung schreiben muss. Da ich nicht auf die typischen Erstsemester-Wohnheimpartys stehe, habe ich also in gute Ohrstöpsel investiert, so wie viele andere hier. Abgesehen davon, ist das Leben im Wohnheim ziemlich praktisch: ich laufe 3 min bis zu meiner Fakultät, eine Mensa ist gleich im Erdgeschoss und Waschmaschinen stehen im Keller. Die vielen Sportangebote sind ebenfalls direkt auf dem Campus, die große Schwimmhalle mit 50 m Bahn und das Gym erreiche ich nach 7 min Fußweg. Von der Tür des Wohnheims bis zur nächstgelegenen Unitür sind es ca. 10 Meter, danach kann man sehr viele Gebäude auf dem Campus über Gänge erreichen, sodass man im Winter so gut wie gar nicht nach draußen muss.

Diese Nähe führt auch dazu, dass man sich spontan mit seinen Freunden verabreden kann und nicht erst gucken muss, wann der nächste Bus kommt. Wichtig zu wissen ist, dass zu der Zimmerausstattung zwar ein Bett und eine Matratze gehören, aber Decke, Kissen und Bezüge muss man selber mitbringen. Das gleiche gilt für einen Kühlschrank, wenn man ihn denn im Zimmer haben will. Über externe Anbieter, mit denen die Brock Verträge hat, kann man dies aber ebenfalls dazu buchen und findet bei seiner Ankunft schon alles vor.

Viele der Austauschstudenten wohnen ebenfalls auf dem Campus, meine Kommilitonen eher off-campus weil es günstiger ist. Ob alle, die off-campus wohnen von Anfang an wussten, dass die Brock auf einen Hügel liegt und daher eine relativ kurze Distanz zwischen Wohnung und Uni auch schon anstrengend werden kann, vermag ich nicht zu sagen. Ich wusste es auf jeden Fall nicht und bin froh über meine Entscheidung pro Wohnheim.

Lisa Marie Erb zuletzt bearbeitet am 06.11.2019