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Viva Las Vegas!

Da mich nach fast drei Monaten in Winnipeg der Drang gepackt hatte, mal wieder etwas anderes zu sehen – und die beginnenden -10 Grad Celsius ihr Übriges taten, packte ich an einem schönen Donnerstag Anfang November meine Umhängetasche. Das Ziel: Die Stadt der Sünde.

Vorbereitung und Startschwierigkeiten

Gesündigt habe ich – zumindest in Anbetracht meines Bankkontos – bei vor allem einem: Der Konzertkarte. Da meine Lieblingsband blink-182 nach langen Monaten der Pause endlich ein paar Konzerte in Vegas angesagt hatten, gab es für mich kaum noch ein Halten. Natürlich musste ich die Band live sehen, natürlich mussten es Stehplätze sein – wer sitzt denn bitte auf einem Punkkonzert? – und damit ich nachher nicht nachts allein durch die Gegend laufen musste, buchte ich mich auch noch für eine Nacht in das Hotel ein, indem das Konzert stattfand.

Mein Trip begann um 4:45 an einem Freitagmorgen. Zugegeben, ich hatte auch schon bessere Pläne und früh aufstehen liegt mir hier in Winnipeg absolut gar nicht. Aber vor lauter Vorfreude hatte ich eh kaum schlafen können. Dann ging es mit dem Taxi zum Flughafen von Winnipeg, der vor allem eins ist: Beschaulich.

Beim Einchecken gab es dann das erste Drama. Meine elektronische Einreiseerlaubnis war scheinbar nicht im System, was ein Ding der Unmöglichkeit. Ich hatte noch eine extra Permit ausgestellt bekommen, als ich eingereist war. Und natürlich hatte ich meinen ETA-Ausdruck nicht dabei, sodass mir das Ausstellungsdatum fehlte. Ich konnte mein Unglück kaum fassen – schließlich hatte ich ja alles Erforderliche für meine Einreise im August vorweisen können. Unter der Aussicht, dass ich eventuell nicht mehr nach Kanada einreisen konnte, war ich schon fast so weit, Jobs in Vegas zu suchen. Mein ESTA war ja gültig.

Die liebe Flughafenbeamtin nahm mein Problem dann aber in die Hand und wir gingen von Pontius zu Pilatus um mir zu versichern, dass ich auch wieder nach Kanada einreisen konnte. Mit nur noch einer halben Stunde bis zum Boarding kamen mir dann die kurzen Laufwege am Winnipegger Flughafen zugute.

Edmonton – Las Vegas

Meine Flugroute ging von Winnipeg nach Edmonton, und von dort aus dann nach Las Vegas. Da ich bisher noch nichts von Edmonton gehört hatte, ging es mir wie vielen anderen: Ich hatte die Größe des Flughafens stark unterschätzt. Edmontons Flughafen ist keinesfalls so winzig wie sein Pendant in Winnipeg. Vor allem Flugverkehr in die USA wird dort abgewickelt.

Auf dem Flug konnte ich mich dann vor Vorfreude kaum ruhig auf dem Sitz halten. Ich machte gefühlt 500.000 Fotos von der sich stetig verändernden Landschaft aus dem winzigen Flugzeugfenster. Und als die Landschaft sich dann endlich in eine schneefreie Aussicht wandelte, war dann auch kein Halten mehr.

Ich mag den Winter und Schnee erst recht – aber Anfang November -10 Grad? Nein, danke!

Manchmal ist die Aussicht schöner als jeder Flugzeugfilm

Las Vegas

Flugzeugverspätung ist wohl das Thema meines Trips. Und nicht nur der Flug von Edmonton nach Vegas war verspätet, sondern auch beide Flüge retour.

Bei meiner Ankunft interessierte mich das jedoch kaum. Ich sog die Eindrücke voller Begeisterung auf: Warme 19 Grad draußen, innen Klimaanlage, keine 50 Schichten zum Tragen, Spielautomaten in der Abflughalle und überall Palmen!

Für mein Empfinden ist Las Vegas eine Stadt, die verzweifelt versucht, ihre Existenz inmitten der Wüste zu rechtfertigen. Unter diesem lebensfeindlichen Umfeld hat die Stadt ein chronisches Wasserversorgungsproblem, was jedoch niemanden davon abhält, Rasenflächen zu Pflegen oder einen Brunnen en masse zu betreiben. So schön Palmen und Gärten auch sind – nachdem ich durch den dritten Rasensprenger gerannt war, hatte ich dann mehr ein schlechtes Gewissen. Das Gleiche gilt auch für Leuchtreklame. Wie viel Energie Vegas nur durch unnötige Lichtershow tagsüber verbraucht, will ich ehrlich gesagt gar nicht wissen.

Allem Ökogerede zum Trotz muss ich aber zugeben, dass ich die Aussicht meines Zimmers aus dem 51. Stock großartig fand. Man konnte nicht nur gut auf die zwei anderen Türme des Hotels sehen, sondern auch den Las Vegas Boulevard – oder Strip – erahnen. Ich weiß echt nicht, wie lange ich im Sessel vor dem Balkonfenster saß und raus gestarrt habe wie eine Katze vor dem Aquarium. Übrigens: In Las Vegas, wie auch vielen anderen Hochhäusern in den USA, kann man in keinem Hotelzimmer das Fenster aufmachen. Dies dient zur Suizidprävention. Und so sehr ich das gutheiße, verstehe ich noch immer nicht, wieso mein Zimmer einen unbetretbaren Balkon hatte.

Das Konzert war mal etwas anderes – es fand im Pearl Theater des Palms Hotel und Casino statt. Viele Hotels unterhalten nicht nur Casinos, sondern auch Showräume für Konzerte oder andere Veranstaltungen. Dementsprechend war auch vieles im Vorraum der Bühne- wie zu heftiges Tanzen- verboten. Über das Konzert ergehe ich mich jetzt hier nicht in Einzelheiten, denn meine Fangirl-Abhandlungen interessieren wohl kaum jemanden an dieser Stelle.

Am nächsten Morgen checkte ich früher als geplant aus – einfach, weil ich so aufgeregt war, die Stadt zu erkunden. Ich glaube, ich bin von um 10 Uhr morgens dann nonstop durchgeflitzt, von einem Ende der Stadt zum anderen. Und das alles zu Fuß. Mein größtes Mitbringsel aus Vegas ist damit also wohl mein Muskelkater des Todes…

Las Vegas – Toronto – Winnipeg

Da mein Flug aus Vegas schon Verspätung hatte, verpasste ich meinen Weiterflug aus Toronto. Die eineinhalb Stunden, die dafür eingeplant waren, wären ohnehin schon sportlich gewesen, wenn man bedenkt, dass ich ja noch durch die Passkontrolle musste. Durch die Verspätung in Nevada war meine Umsteigzeit auf eine halbe Stunde zusammengeschrumpft – also schlichtweg unmöglich.

Mein Weiterflug von Toronto aus wurde zwar ohne Probleme direkt umgebucht, allerdings hatte ich dann noch fast 6 Stunden am Flughafen in Toronto. Übermüdet saß ich meine Zeit dann ab.

In Winnipeg erwischte mich dann ein Kälteschock. Noch immer Minusgrade und kein Ende in Aussicht… Ich will zurück in die Sonne…

Lisa Denndörfer zuletzt bearbeitet am 13.11.2018