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How to survive the Manitoba Winter

Wenn Winnipeg für eines berühmt berüchtigt ist, dann für die kalten Winter. Temperaturen von -40 Grad sind im Januar und Februar keine Seltenheit am kältesten Ort außerhalb Sibiriens. Dies trifft vor allem die arme Bevölkerungsgruppe schwer: Armut und Obdachlosigkeit sind ein ernstzunehmendes Problem in Winnipeg. Wer hier in den kalten Monaten – vor allem Januar und Februar – draußen einschläft, hat eine Überlebensrate von gleich Null. Deswegen fährt hier häufig die Downtown Patrol umher und weist den Obdachlosen Plätze in verschiedenen Unterbringungszentren zu. Allerdings gibt es hiervon viel zu wenige. Die Kälte ist für Winnipeg sowohl ein physisches, als auch soziales Problem.

In meinem Auslandsemester gab es einen kleinen, absolut untypischen, Kälteeinbruch Ende September, als es kurz Null Grad hatte. Danach war es für einige Zeit eigentlich ganz erträglich. Aber jetzt sind die Temperaturen seit Anfang November sehr – sehr! – winterlich. Bei -17 Grad und Schnee überlegt man es sich doch dann wirklich, ob man noch aus dem Haus möchte. Ironischerweise hat die UWin schon Mitte Oktober einen Workshop darüber abgehalten, wie man sich richtig anzieht. Leider habe ich den verpasst, aber wenn man sich das kanadische Klimaempfinden mal so anschaut, dann hätte ich als alte Frostbeule dort ohnehin nichts gelernt.

 

Die „Essentials“

Wie schon in meinem anderen Blogeintrag erklärt, kommt man hier um eine vernünftige Winterjacke nicht herum. Entweder man bringt sich seine gleich aus Deutschland mit oder kalkuliert den Kauf vor Ort ein. Jedoch verläuft, wie schon erklärt, das Klimaempfinden nicht immer proportional zu dem Bestellsystem der Läden. Als es Ende September urplötzlich so kalt wurde, gab es in den meisten Läden noch gar keine dicken Jacken. Aber wie mir mehrmals versichert wurde, war die Kälte eine absolute Ausnahme.

Meine Recherchen zum Überleben hier haben ergeben, dass eine Daunenjacke hier wohl am praktischsten ist. [Ja, Mama, ich gebe es zu!] In Deutschland habe ich mich lange geweigert, eine Daunenjacke zu kaufen, weil sie mich an riesige, unförmige Schlafsäcke erinnern. Da ich aber auch keine warme Winterjacke gefunden habe – im August ist das ja mal sowas von unverständlich! – hat meine Mutter kurzerhand ihren Daunenmantel geopfert und in einen Parka genäht. Mein absolutes Hassobjekt, weil klobig, riesig und nicht wirklich ästhetisch ansprechend, hat sich hier aber bewährt. Ich will meine Winterjacke hier nun wirklich nicht missen, trotz seiner Aura von Michelin (-Männchen).

Handschuhe und Mützen sollte man sich zumindest überlegen zu besorgen, beziehungsweise mitzunehmen. Meine Mütze trage ich hier bisher noch kaum, aber Handschuhe – auch wenn es nur dünne sind! – sind hier wirklich vonnöten. Wie mir gegen Ende des Semesters dann erklärt wurde, ist es wichtig, die Hände warm einzupacken, da sie ansonsten anschwellen und eventuell sogar abfrieren können. Ich habe hierzu jetzt keine empirische Studie durchgeführt, aber einiger der Obdachlosen hatten abgefrorene Gliedmaßen - oder sehr dicke Handschuhe!

Mein geliebt gehasster Wintermantel macht auch Flashmobs mit

 

50 Shades of Layers

Wenn der Oberkörper warm eingepackt ist, fehlt es noch immer an den Beinen. Daher rate ich jedem hier, entweder in Thermoklamotten zum Darunterziehen zu investieren, oder sich ähnliche Pendants zu suchen. Zwiebellook heißt hier die Devise. Für jemanden mit einem normalen Kälteempfinden braucht es vielleicht keine vier Oberteile, aber da ich weiß, unter welchen Bedingungen ich friere (sitzend, stehend, Frühling, Sommer, Herbst, Winter, morgens, abends, mittags) tut es gut zu wissen, dass ich genug Klamotten dabei habe.

Darüber hinaus wechseln die Temperaturen des Öfteren, wenn man zu den verschiedenen Gebäuden der UWinnipeg laufen muss. In den Räumen ist es teilweise auch geheizt, teilweise aber auch nicht. Da hilft es dann doch, wenn man zehntausend Schichten anhat und sich ständig mit aus- und anziehen beschäftigen kann. Das bisschen Stretching tut dann auch während des Kurses gut.

 

Warmes Schuhwerk

Um ein vernünftiges Schuhprofil kommt man hier definitiv nicht drumherum. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien in Winnipeg geräumt und gestreut wird (Mondphasen? Lust und Laune? Persönliche Vorlieben? Belustigungsfaktor durch ausrutschende Studenten?), aber Räum- und Streupflicht gilt nicht für Fußwege. Falls die Pflicht doch gilt, wird ihr zumindest nur seltenst nachgegangen. Dementsprechend muss man hier des Öfteren über Eis und Schnee stapfen und stolpern.

Do it like a Canadian - es sich von den Kanadiern abschauen - ist allerdings keine besonders gute Idee: Noch bei Minusgraden laufen die Menschen in ihren feschen Birkenstock herum. Irgendwann helfen die dicken Kuschelsocken - "Boot Socks" - auch nicht mehr weiter, wenn der Schnee an die 10 Zentimetermarke kratzt…

Apropos Socken: Miteinkalkulieren sollte man grundsätzlich ein zusätzliches Paar. Die Kälte, die vom Boden hochkriecht, frisst sich auch durch nasses Schuhwerk. Etwas "Luft" im Schuh, die es einem ermöglicht zwei Paar Socken zu tragen schafft dort Abhilfe. Auch sollte die Sohle am besten ohne Löcher sein und etwas Profil schadet niemals, wenn man den Weg zur Uni stapfen muss. Also Augen auf bei der Schuhwahl!

 

Und wenn nichts mehr anderes hilft?

Ganz viele Restaurants bieten zum normalen Mittagessen auch eine Suppe auf dem Menü an. Ich als alte Suppenverächterin (O-Ton: „Ich habe Hunger und nicht Durst!“) habe lange Zeit darüber gewitzelt, wer sich denn zum Sandwich eine Suppe hole. Wenn aber erstmal die Heizung im Wohnheim ausfällt – bei manchen Zimmern dauerte die Reparatur mehr als zwei Wochen! – dem steigt die Kälte irgendwann mal so stark in die Knochen, dass er sogar aus Verzweiflung Suppe trinkt [Das ist mir hier erst nach dem dritten Mal Lesen aufgefallen. Kurz darüber nachgedacht und für gut befunden].

Falls sonst nichts anderes hilft hat die Uni noch etwas ganz anderes im Petto: Gegen Ende des Semesters gibt es jetzt nämlich so viel zu tun, dass ich kaum noch dazu komme rauszugehen. Hausarbeiten, Essays, Prüfungsvorbereitung…  So kann man den Winter auch überleben!

Schnee!

Temperaturen unter Null
 

I

Lisa Denndörfer zuletzt bearbeitet am 07.01.2019