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American Football für Anfänger

Internationale Studentenbetreuung:

Als Visiting oder International Student ist der primäre Ansprechpartner immer der International Student Service (ISS). Dort bekommt man seine Krankenversichertenkarte und kann Visaangelegenheiten klären. Darüber hinaus bieten sie eine Vielzahl von Aktivitäten an, für die man sich dort anmelden kann. Bisher gab es zum Beispiel ein Kennenlernessen für die internationalen Studenten, Cookies and Conversation (sozusagen ein Kaffeekränzchen für Nichtkanadier) und auch zahlreiche Infoveranstaltungen zur Immigration. Vom ISS werden also nicht nur die Studenten aus dem Wohnheim, sondern auch die aus den Gastfamilien und Studentenwgs betreut.

Aufgrund der Tatsache, dass wir dieses Semester unglaublich viele Deutsche sind, habe ich bisher kaum an den von ISS angebotenen Aktivitäten teilgenommen, sondern lieber was privat organisiert. Als jedoch ISS anbot, zum vergünstigten Tarif zu einem American Football Spiel mitzukommen, wurde ich hellhörig. Für $25 fuhr also eine Gruppe – bestehend aus überwiegend Deutschen – zum Winnipeg Blue Bombers Spiel zum Investors Group Field, etwas außerhalb von Winnipeg.

IEC Ambassadors unter sich - Grüße an Christina

Winnipeg Blue Bombers vs. Calgary Stampeders

Eins vorweg: Ich hatte davor keine Ahnung von American Football und auch nachdem ich es live gesehen habe, bin ich kaum schlauer. Setzt im Folgenden also keine Fachtermini voraus!

Das Stadion ist zu meinem Leidwesen nicht überdacht, sodass es Ende Oktober nicht nur zugig auf den billigen Plätzen, sondern auch ziemlich nebelig wurde. Da ich mich natürlich in keinster Weise vorbereitet hatte, lagen meine wunderbar warmen Klamotten alle im Schrank. Als mir dann die Kanadier mit Decken, Mützen und teilweise Skihosen entgegenkamen, wurde mir bewusst, wie fatal mein Fehler war. Auch die Tatsache, dass die Cheerleader mit Daunenwesten antraten, spricht für sich. Inzwischen habe ich für mein Temperaturempfinden herausgefunden: Wenn die Kanadier frieren, bin ich schon längst ein Eiszapfen.

Das Spiel fing an, in dem sich erstmal bei den Native Americans bedankt wurde, auf deren eigentlichem Land das Stadion steht. Danach entrollten Frauen,die den Brustkrebs besiegt hatten, die kanadische Flagge und man wurde gebeten, die Hüte abzulegen, aufzustehen und die kanadische Nationalhymne zu singen. Da es hier eigentlich um inländische Mannschaften ging – die Winnipeg Blue Bombers und die Calgary Stampeders - kam es uns Deutschen natürlich etwas suspekt vor.

Ein Stadionbesuch hier ist auf jeden Fall ein Event: Die Sportler laufen unter Konfetti und Nebelmaschine ein, der Gegner wird lautstark ausgebuht und immer wieder wird die Menge aufgefordert, Krach zu machen. Gehörschutz ist da erstmal Nebensache.

Nachdem mir dann eine Mentorin, die von ISS mitgekommen war, die Grundzüge des Spiels erklärt hatte, war es für mich auch einleuchtender, warum die Männer in engen Hosen nonstop auf dem Kunstrasen lagen. Ich verstehe noch immer nicht viel davon, außer, dass es insgesamt vier Quarter gibt, von denen aber keiner 15 Minuten dauert. 37 Minuten dauerte der erste Quarter, um genau zu sein. [Und dann heißt es immer, Frauen bräuchten ewig im Bad…]

Da die Teams immer mal wieder ihre Bestandteile – Offensive, Defensive, Maskottchen – wechseln, wird das Spiel gefühlt alle zwei Minuten unterbrochen. Dann wird meist Werbung auf die großen Bildschirme geschaltet. Mir hat dann die Kanadierin erklärt, dass die Spieler nicht für die Werbung pausieren, sondern es umgekehrt ist. Da muss man auch erstmal draufkommen! Kurz und gut, die Spielatmosphäre hatte etwas von Privatfernsehen.

Darüber hinaus wurde man auch immer wieder angehalten, bewusst und nicht zu viel vom ausgeschenkten Alkohol zu konsumieren. Was „Kenn dein Limit“ und andere Kampagnen angeht, sind die Kanadier uns schon meilenweit voraus. Aber stellenweise reichen da auch schon die Stadionpreise aus.

Nach wiederholten Touchdowns, Getöse und Rumgerobbe auf dem Boden gewann die Heimmannschaft tatsächlich, obwohl sie in den ersten zwei Quartern zurückgelegen hatte. Bewundernswert fand ich dabei die Fans: Fast alle waren entweder blau gekleidet oder trugen Accessoires und sprangen bei den verschiedenen Punkten auf und klatschten andere Fans ab.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es mir nicht leidtut, mir auf dem Plastikstuhl den Hintern abgefroren zu haben. Das Spiel war sogar ansatzweise spannend, wenn man a) gewisse Grundkenntnisse hat und b) kein Nebel auf dem Spielfeld ist. Ich bin jetzt zwar noch immer kein konvertierter American Football Fan, aber wenn man mal die Möglichkeit hat, das Ganze zum günstigeren Gruppenpreis zu sehen, ist ein Stadionbesuch ein wertvoller Einblick in die kanadische Menta- und Maskulinität.

Lisa Denndörfer zuletzt bearbeitet am 29.10.2018