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Let's talk about money!

Kurz und knapp: Ein Auslandssemester ist niemals günstig.

Und auch wenn das Auslands-BAföG die UWin zu einhundert Prozent abdeckt, ist man damit noch lange nicht reich. Auf der anderen Seite allerdings kann ich jetzt aus dem trauten Zuhause sagen, dass sich die Ausgaben gelohnt haben und ich mehr aus meinem Dritteljahr in Winnipeg mitgenommen habe, als ich jemals für Geld hätte bekommen können.

Die ersten Ausgaben

Wie fast alle anderen Universitäten im nordamerikanischen Raum verlangt die UWin erst einmal $50 Bearbeitungsgebühr dafür, dass die Bewerbungsunterlagen überhaupt ersteinmal angesehen werden. Allerdings ist das, wie schon gesagt, komplett normal für Kanada und die USA und dank IEC kann man sich sicher(er) sein, dass dies eine einmalige Zahlung bleibt. Man überlege sich mal, wie viele einheimische Studenten pro Bewerbung zahlen und dann abgelehnt werden.

Wenn man dann einmal angenommen wurde, heißt es Schulgebühren (=“Tuition“) in Höhe von $1.300 pro Kurs (das ist jedoch von Fakultät und Kurs unterschiedlich) berappen. Ich habe für meine vier Kurse $6.674,06 gezahlt, wobei ein Kurs teurer war als die anderen. In diesen Gebühren sind eine Fitnessstudiomitgliedschaft und der Buspass für das Semester inkludiert. Sagen wir’s so: Letzteres habe ich bedeutend öfter genutzt.

Hierbei muss aber auch gesagt werden, dass die University of Winnipeg eine der günstigsten Universitäten Kanadas ist. Ein Großteil der anderen Hochschulen – von den USA ganz zu schweigen – verlangen mehr von ihren internationalen und einheimischen Studenten. Und als International Student muss einem klar sein, dass man für die Universitäten vor allem eine Einkommensquelle ist. Das Gute war jedoch, dass der kanadische Dollar in meinem Auslandssemester „relativ“ schwach war, sodass ich umgerechnet um die 4.400€ für die Studiengebühren gezahlt habe.

Mit der Anmeldung an der UWin bekommt man dann auch die Zusage, welche Unterbringung man hat. Meine Zeit im Studentenwohnheim hat $4.319 (ungefähr 2.850€) gekostet, einschließlich des günstigsten Meal Plans. Leider waren das jetzt nicht alle Ausgaben für Essen – aber ich glaube, über die Nahrungsmittelversorgung könnte ich auch ein Buch schreiben -, aber es war zumindest bequem und okay. Die Miete kann man auch am Anfang jeden Monats bezahlen, was eventuell flexibler für manche Studenten ist. Mit Sicherheit hätte ich woanders auch günstiger wohnen können, jedoch möchte ich meine Zeit im Wohnheim nicht missen.

Eine weitere Ausgabe: der Flug. Weil ich mir beim Buchen sehr viel Zeit gelassen habe, habe ich mit Abstand am meisten gezahlt. Die Semesterdaten sind normalerweise relativ einfach auf der Universitätshomepage abzurufen, daher kann man theoretisch direkt nach seiner Zusage buchen. Ein Preisvergleich lohnt sich hier auf jeden Fall – ich habe für meine Flüge in den Hauptsaisons (August und kurz vor Weihnachten) fast das Doppelte als andere gezahlt. Die Frage, ob man seinen Rückflug direkt mitbuchen soll, kann ich so nicht beantworten. Viele von meinen Freunden haben nach dem Semester noch beschlossen, durch Kanada zu reisen und hätte Weihnachten nicht vor der Tür gestanden, hätte ich vermutlich auch meine Zeit im Ausland verlängert. Wer aber Heimweh hat, für den kann der Rückflug nicht früh genug kommen.

 

Vor Ort

Was mich am meisten erschreckt hat, waren die unibedingten Folgekosten. Komplett anders als im deutsche Hochschulwesen kann man sich literarisch nicht einfach durchmogeln, denn das kanadische System stützt sich stark auf wöchentliche „Readings“. Daher benötigt man die vom Professor vorausgesetzten Bücher. Obwohl es an der UWin die Option gab, die Bücher nur zu leihen, schlackerten mir bei einem Ausleihbetrag von $180 für zwei Bücher ziemlich die Ohren. Auch die Kaufpreise vor Bücher sind vor allem eins: astronomisch. Immerhin wurde bei der Rückgabe der Bücher nicht gemeckert, denn ich hatte mehr als einen kleinen Unfall mit dem UWin Kaffeebecher in meiner Tasche…

Was braucht ein Student noch außer Luft, Wasser und Nahrung? Richtig, Internet. Obwohl es am Campus Eduroam gab, hat das universitäre Internet nicht alle Räume im Wohnheim abgedeckt. Und wer gerne ruckelfrei Netflix schaut, muss wohl oder übel in einen Anschluss von BellMTS investieren. Ich hatte mit $35 pro Monat eine günstige Studentenversion, wobei man das auch noch anders hätte haben können: Wer sich mit seinen Zimmernachbarn gut versteht, sollte überlegen einen Anschluss zu zweit (oder mehr) zu nutzen. Es ist auf jeden Fall günstiger. An dieser Stelle möchte ich mich dann auch noch bei allen bedanken, bei denen ich mich im letzten Monat internettechnisch durchgeschnorrt habe, weil ich meinen Vertrag etwas verfrüht gekündigt hatte – danke Mädels!!! Ohne meine tägliche Dosis Mord und Totschlag wäre ich wahrscheinlich (noch) anstrengender gewesen.

Wie schon gesagt, deckt der Meal Plan nicht alle kulinarischen Anforderungen ab. Vor allem die lachhaften Öffnungszeiten am Wochenende waren die Ursache dafür, dass ich fast wöchentlich im Supermarkt Tütensuppen erstanden habe. Auch ist das Wasser in Winnipeg derart gechlort, dass es manchmal die Grenze zum Trinkwasser überschreitet. Da der Mensch – beziehungsweise ich – kaum von Tütensuppen und Wasser leben kann, musste es auch noch der ein oder andere ungesunde Snack sein. Die sind traurigerweise zwar teuer, aber nicht so teuer wie frisches Gemüse. Man kann so viel über gesunde Ernährung referieren wie man will, aber wenn die Gurke $7 und die Tiefkühlpizza $3.50 kostet, da ist die Entscheidung für viele einkommensschwache Familien klar. Frisches Obst und Gemüse war definitiv Mangelware im kältesten Ort außerhalb Sibiriens und auch in den Kantinen gab es häufig nur kalten Salat oder überteuerte Obstschnitze. Zum Vergleich sollte aber auch noch angemerkt werden, dass die deutschen Lebensmittelpreise selbst in Europa äußerst niedrig sind. Der deutsche Maßstab sollte also keinesfalls immer angelegt werden! Erschwinglich ist eine gesunde Ernährung in Winnipeg aber leider nicht.

Auch ein Weg sein Geld zu lagern - auf den Hüften!

 

Freizeitausgaben

Feiern gehen kann natürlich auch eine Ausgabe im Auslandssemester sein. Der Uniworkload ist auf keinen Fall so anstrengend, als dass man sich im Zimmer oder der Bib eingraben muss. Unnd so kann man definitiv das Winnipegger Nachtleben austesten. Dafür reichen dann so zwei Wochenenden. Spaß! Mit den richtigen Leuten kann man auch auf dem Fußmarsch im Club mehr Spaß haben als im Club als solches – und spart sich obendrein die $10 Eintritt.   Hierbei muss aber auch angemerkt werden, dass die kanadische Regierung vermehrt Wert auf Gesundheitsschutz legt und Zigaretten und Alkohol stark besteuert. Mit dem Wechselkurs ist es für Deutsche zwar noch irgendwie bezahlbar, wer aber gut und gerne einen über den Durst trinkt, wird die Kreditkarte an der Bar abgeben müssen.

Auf der anderen Seite gibt es in Winnipeg sehr viele kostenlose Angebote in den Bars wie zum Beispiel Karaoke, Open Comedy und Trivia Nights. Ich habe im Auslandssemester meine Liebe zu Stand-Up Comedy gefunden und auch die anderen Angebote sind es wert, ausgetestet zu werden. In puncto Freizeit kann ich also keinen genauen Betrag angeben, wie viel man zum Feierngehen einkalkulieren sollte. Das hängt zu stark vom Einzelfall ab.

Lisas Schwabenspartipp: Obwohl die Winnipegger Eishockeymannschaft „The Jets“ erst vor kurzem wieder in der Oberliga angekommen sind, kosten die Tickets für ein Spiel ein Vermögen. Wer ohnehin nichts von Eishockey versteht, chronisch blank ist und nicht gerne mit einem Feldstecher am Geschehen teilnehmen will – so wie ich!- , dem kann ich die Manitoba Moose empfehlen. Die Schulmannschaft spielt eine Liga unter den Jets, sind aber noch bezahlbar. Als Sonderaktion werden häufig Vierertickets für $25 pro Person verkauft – und das ganz vorne am Feld. So kann man die Schlägereien dann für ganz wenig Geld ganz vorne beobachten. Ein Eishockeyspiel in Kanada ist definitiv ein Muss für das Auslandssemester!

Bild von Miriam Kurz - Mein Handy ist direkt nach der Einlasskontrolle ausgegangen, aber selbst analog waren die Eishockeykarten ihr Geld wert!

 

Nach dem Auslandssemester

Wer nach seinem Auslandssemester noch Zeit (und Geld) hat, sollte sich definitiv überlegen, den Flughafen in Winnipeg für mehr als einen Heimflug zu nutzen. Flüge auf dem nordamerikanischen Kontinent sind bedeutend günstiger und wem der graue Himmel in Winnipeg im Dezember auf den Keks geht, der kann die noch vorhandenen Finanzreserven für einen Trip irgendwohin nutzen.

Lisa Denndörfer zuletzt bearbeitet am 07.01.2019