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Viertelzwischenbilanz

Inzwischen bin ich nun etwas über einen Monat in Kanada und kann behaupten, dass ich wohl auch mental in Winnipeg angekommen bin. Folgende Lehren habe ich bis jetzt aus meiner Zeit im Auslandssemester gezogen.

1.       Uni ist und bleibt Uni, wenn auch anders.

Wer hätte es gedacht, aber mein Leben hat inzwischen wirklich schon wieder so eine Art verkorksten Rhythmus, der halbwegs produktiv ist. Für jede Woche gibt es einen gewissen Erwartungshorizont, nämlich dass man seine Readings auch artig pro Woche macht. Da auch noch immer wieder ein Test ansteht – wirklich wie in der Schule – ist man wahrlich gezwungen, etwas unter dem Jahr zu machen. Abgesehen davon scheinen die Professoren hier ihre Assignments zu lieben- ganz zu meinem Leidwesen. Falls jemand also meinen Aufsatz über drei bekannte Professoren und ihren Stand zu Ethics in Business schreiben will, nur zu gerne. Es kann nur besser als alles sein, was mir bisher eingefallen ist.

 

2.       Für das Wetter in Winnipeg braucht man wahrlich den Humor eines Winnipegers.

Ich will damit jetzt nicht andeuten, dass Schnee Ende September nicht interessant ist – aber doch nicht in meinem Auslandssemester! Selbst für die Menschen in Winnipeg ist der plötzliche Wintereinbruch zu früh, allerdings haben die meisten die richtigen Klamotten schon im Kleiderschrank.

Da jetzt fast alle in meinem Umkreis nach den ersten Schneeflocken – jaa, hier schneit es inzwischen immer mal wieder ! – angefangen haben, wie wild Winterjacken und Schuhe einzukaufen, hier mein Tipp: Entweder ihr reist mit dem Zeug direkt an – schwer, schwitzig, und so nervig, dass ich meinen Wintermantel am liebsten hinter dem Sicherheitsbereich eigenhändig angezündet hätte -, lasst es euch zeitnah nachschicken (Wer ein Paket innerhalb von zwei Wochen zugestellt haben will, weil es eilt, zahlt circa 50$), oder besorgt es sich vor Ort, was jedoch auch teurer sein kann. Denn selbst die Läden sind von unserem plötzlichen Kälteeinbruch überrascht und die Winterjacken trudeln erst langsam aus den Lagern ein.

Ich selbst habe zwar Schuhe und Jacke dabei, aber weigere mich innerlich noch etwas auf meine Vans zu verzichten. Wahrscheinlich brauche ich noch eine weitere fiese Erkältung, um endlich aus meiner Leugnungsphase rauszukommen.

Die Kanadier überprüfen übrigens in Flipflops, ob draußen Schnee liegt. Ich habe Beweisfotos!

Der Beweis: Ich bin in der Lage, Schnee zu fotografieren!

 

3.       Mit der Essenssituation anfreunden.

Wie schon in meinem anderen Blogeintrag erklärt, hat der Meal Plan sowohl Vorteile als auch Nachteile. Aber nach einem Monat Mensaessen habe ich noch kaum das Bedürfnis, selbst zu kochen – und das ist ein gutes Zeichen.

Mein Speiseplan ist wahrlich nicht wirklich ausgewogen, aber inzwischen habe ich die paar warmen Gerichte aus der Kantine gefunden, die man als Vegetarierin ganz gut essen kann. Für das Wochenende kaufe ich mir inzwischen einen gewissen Vorrat an Nahrungsmitteln, einfach weil die Mensaöffnungszeiten dann nicht sonderlich gut sind. Bestimmte Lebensmittel vermisse ich kaum, aber vernünftiges Brot ist hier tatsächlich Mangelware. Fast alles hier ist labbriges Toastbrot.  

Das Einzige, was wirklich praktisch wäre, wäre vielleicht noch trinkbares Wasser aus dem Hahn. Jedes Mal einen 24er Pack aus dem Supermarkt nach Hause zu schleppen ist etwas nervig, da ich auch wie ein Kamel Wasser trinke. Aber zeitweise ist das Wasser im Wohnheim – und aus dem Trinkwasserspender der Uni! – so gelb, dass man es wirklich nicht trinken will…

 

4.       Ein gewisses Netz an Kontakten geknüpft.

Im Studentenwohnheim kann man, wenn man will, sehr gerne unter Leuten sein. Die meisten hier sind entweder kanadische Erstsemester oder International Students. Das sind schon interessante Einsichten, wenn man sich mit Leuten unterhält, die aus einem ganz anderen Flecken der Erde kommen.

Mit Kanadiern Freundschaften zu knüpfen ist eher kompliziert. Einige haben sich an der UWinnipeg für das Mentorenprogramm eingeschrieben und teilweise richtig liebe und tolle Mentoren bekommen, mit denen sie hin und wieder was machen. Für den Anfang ist das mit Sicherheit was Gutes, wenn man schon jemanden kennt.

Meine Kontakte sind vielleicht nicht ganz so eng und lebensnah, aber allein schon einen Platz außerhalb der Uni gefunden zu haben, werte ich schon mal als Erfolg. Und da es sich zeitgleich um eine Bar handelt, werde ich zumindest nicht verdursten.

Wenn man aber sich nicht nur in seinem Zimmer einschließt und aktiv und freundlich auf seine Mitmenschen zugeht, wird man die Zeit im Auslandssemester schon mit einigen interessanten Bekannten verbringen.

 

5.       Heimweh?

[Dieser Absatz fungiert mehr dazu, all diejenigen zu beschwichtigen, die mich nonstop fragen, ob ich denn schon Heimweh habe. Glaubt mir, wenn ich Heimweh bekomme, werdet ihr das Gejammer schon zu ertragen haben. Und bis dahin bringt mich jede weitere Nachfrage nur ein Stückchen weiter auf die Palme.]

Zu dem Thema kann ich nur sagen, dass es wohl sehr vom Menschen abhängt, wie stark das Heimweh ist. Da ich nonstop irgendwie meine Zeit vertrödele – ähm, ich meine natürlich studieren – und eigentlich auf ein ganz gutes Netzwerk hier vor Ort zurückgreifen kann, zähle ich die Tage bis zu meiner Abreise (noch) nicht. Natürlich kann sich das alles noch ändern.

Grundsätzlich fehlt mir natürlich der Kontakt zu meiner Familie und meinen Freunden, aber mit modernen Kommunikationsmitteln ist das alles erträglich – da ist die Zeitverschiebung von mehr als sieben Stunden das größere Problem.

Jetzt habe ich eine Woche frei und fast alle hier im Wohnheim sind ausgeflogen, also kann es natürlich vorkommen, dass ich meinen Kaffee allein trinken muss. Aber theoretisch sollte ich ja ohnehin lernen und nicht so viele Kaffeepausen machen…

 

Lisa Denndörfer zuletzt bearbeitet am 07.10.2018