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#01 Von Studentenhipstern und Schwarzen Brettern

Hallo,

ich freue mich, dass Dich die unendlichen Weiten des Internets auf meinen kleinen Blog geführt haben, in dem ich in den nächsten Monaten über mein Leben und Studium in London schreiben werde. In Anbetracht der Tatsache, dass zum Zeitpunkt dieses Eintrags weltweit ungefähr 700 Millionen Webseiten online sind, ist dies ein Ereignis mit verschwindend geringer Wahrscheinlichkeit – und doch ist es eingetroffen! (Womit hinreichend belegt wäre, dass die Nützlichkeit von Wahrscheinlichkeitsrechnung eher unwahrscheinlich ist)

Schon bald soll es auf nach Großbritannien gehen - bis zu meinem Abflug sind es noch genau 11 Tage, also höchste Zeit, mich der geneigten Leserschaft einmal kurz vorzustellen. Mein Name ist Lukas, ich studiere Europäische Medienwissenschaft an der Uni Potsdam und...

Ich weiß was Du jetzt denkst! Du denkst, dass ich zu dieser neuen Generation von medienafinen Studentenhipstern gehöre, die mit ihrem MacBookAir, ihrem Turnbeutel auf dem Rücken und ihrem Mate-Tee in der Hand über den Campus schlurfen, die alles ein bisschen können, dafür aber nichts richtig. Vielleicht gehörst Du sogar selbst dazu - irgendwas mit Medien halt… Und weißt Du was, wahrscheinlich hast Du sogar Recht damit!

Ich studiere kein Jura und keine Medizin, ich werde kein Anwalt oder Arzt. Was ich mit meinem Studium anfange, ist auch im fünften Semester noch völlig offen. Doch nichts könnte besser zu mir passen - ich bin niemand, der sich gerne endgültig festlegt. Den ein oder anderen würde diese beständige Unsicherheit vielleicht in den Wahnsinn treiben, doch ich kann sie gut ertragen, weil ich sicher bin: Sollte eines Tages der geeignete Zeitpunkt kommen, dann werde ich wissen, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Um Profi zu werden, steht mir noch mein ganzes Berufsleben zur Verfügung! Bis dahin werde ich ausprobieren… und Turnbeutel auf dem Rücken waren übrigens nicht einmal in der Grundschule hip!

In London studiere ich Game Studies – ein Bereich der Medienwissenschaft, der an meiner Heimuniversität bisher leider noch nicht sonderlich prominent vertreten ist (und das obwohl Potsdam die größte Videospielsammlung einer europäischen Hochschule besitzt). Der Studiengang im Ausland soll sich hingegen laut Beschreibung zu „100% dem Studium und der Entwicklung von Videospielen“ widmen. Doch auch wenn dies der offizielle Vorwand für meine Reise ins Ausland ist, ist der Grund doch ein viel größerer!

Warum hast du Dich auf diese Seite verirrt? Warum liest Du diesen Eintrag? Vielleicht spielst du selbst mit dem Gedanken, ins Ausland zu gehen? Vielleicht bist Du schon auf dem Weg dorthin oder sogar schon dort? Warum also willst Du alles hinter Dir lassen, was deine Heimat ausmacht? Deine Familie, deine Freunde, dein Zimmer oder vielleicht sogar deinen Freund oder deine Freundin? Willst du eine neue Sprache sprechen, eine fremde Kultur oder neue Leute kennenlernen, willst du später mehr Geld verdienen oder einfach nur Party machen? Viele dieser Gründe mögen auf die meisten zutreffen, aber ist es nicht vor allem ein Selbstbeweis? Der Beweis, dass Du alles zurücklassen kannst, um noch einmal von vorne zu beginnen?

Ich bin der Meinung, dass sich der Mensch im Besonderen – und ich mich im Speziellen – nur weiterentwickeln können, wenn wir uns aus der persönlichen Komfortzone herauswagen. Im Gegensatz zu vielen Freunden hatte ich nie das Bedürfnis, mein gewohntes Umfeld hinter mir zu lassen, um hinaus in die Welt zu ziehen. In einer fremden Umgebung völlig neu anzufangen ist eine Vorstellung, die absolut nicht meiner Natur entspricht – und genau deshalb mache ich sie!       

Soviel ich auch in Deutschland zurücklassen muss, eine gute alte Freundin wird mich nach London begleiten  – meine Gibson Explorer! Solltest du in deinem Leben schon einmal eine Gitarre in der Hand gehalten haben, dann wirst Du verstehen, dass dieses Brett viel mehr als nur ein schwarzlackiertes Stück amerikanisches Holz ist. Gemeinsam haben wir schon einiges durchgemacht: Manchmal standen wir zusammen vor einer wilden schwitzenden Meute, von der man im Gegenlicht nur einen Bruchteil erahnen konnte, doch weitaus häufiger waren es bei genauerer Betrachtung nur die eigenen Freunde, die vor der Bühne auf und ab sprangen.

Eines ist jedoch klar: In den nächsten Monaten werden meine Gitarre und ich den legendären Ruf der Londoner Musikszene auf Herz und Nieren prüfen! Gemeinsam werden wir, die offenen Bühnen der Stadt erobern, die Jazzclubs, Swingbars und Metalschuppen in den verwegensten Hinterhöfen ausfindig machen und schauen, ob diese Stadt hält, was sie verspricht! Ich werde Dich auf dem Laufenden halten!

Cheers,

Lukas

Should I Stay Or Should I Go?

Lukas Krähn zuletzt bearbeitet am 02.02.2015