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#09 Einfach loslaufen!

Während die Sonne scheint sitze ich mit hoch gekrempelten Ärmeln unter einem Olivenbaum. Es ist Wochenende, um mich herum sitzen Leute auf Holzbänken. Sie essen Spezialitäten aus aller Welt und unterhalten sich ausgelassen in allen möglichen Sprachen. Es ist laut, sehr laut - zu meiner Linken rasen Polizeiautos mit schallender Sirene durch die Straße, zu meiner Rechten passiert ein Güterzug mit ratternden Rädern eine Eisenbahnbrücke. Würde die Großstadt sich nicht so schlampig verstecken, könnte man glatt vergessen, dass ich mich noch immer in London befinde.

Die Hälfte meiner Auslandssemesters ist bereits rum, der Unialltag hat mich schon seit mehreren Wochen eingeholt. Während sich in den letzten Tagen das Wetter noch einmal zu einem warmen Spätherbst entschieden hat, bin ich mit meinem Kopf zumeist in der Universität und an der Vorbereitung meiner Zwischenprüfungen. Dadurch dass ich momentan wenig Zeit habe, den Auflagen des universitären Rahmenplanes zu entfliehen, würde es zurzeit nur einen geringen Unterschied machen, ob ich hier oder zuhause wäre. Um das zu ändern habe ich heute nach langer Zeit mal wieder die Haustür hinter mir gelassen, um einfach loszulaufen - gelandet bin ich in der Eingangshalle des Borough Markets.

Was ist in diesem Monat nicht alles passiert? Ich war auf einem schnulzigen Rockkonzert in Camden und habe an einem Abend in Shoreditch mehr Geld auf der Straße gefunden, als ich zuvor ausgegeben hatte. Auf der London Comic Convention habe ich zwei Stunden für mein Ticket angestanden, um für einen Tag Eintritt in eine mir bisher unbekannte Welt zu erlangen. Ich habe Vampire in der Tube getroffen, die mich mit offenen Reißzähnen anlächelten, eine Ukulele gestimmt und einen Roboter für grobe Gartenarbeit entworfen. Und als wäre all das noch nicht genug, habe ich vorletzte Woche sogar einen Lidl in freier Wildbahn entdeckt! Ich habe selten zuvor so volle Plastiktüten geschleppt!

Auch weit von Zuhause besteht das Leben vor allem aus den vielen kleinen Erlebnissen, die Tag für Tag passieren und sich am Ende zu einer Erfahrung verdichten, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Du willst wissen was ich meine? Dann lass deine Haustür hinter Dir und lauf einfach mal wieder los!

 

Cheers,

Lukas 

Spätherbst in London

Lukas Krähn zuletzt bearbeitet am 02.02.2015