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Assignments, Mid-Terms, Essays und Finals...

Da stand man damals ahnungslos und verwirrt vor der Qual der Wahl - oder einfacher ausgedrückt: Vor der Kursauswahl. Mein naives Ich hat damals mit dem Gedanken gespielt, fünf Kurse zu wählen. Aber zum Glück habe ich auf die Empfehlungen von meiner IEC Beratung gehört und mich für drei Kurse entschieden. Und falls ihr jetzt denkt, das war easy peasy lemon squeezy, dann habt ihr euch geschnitten! Nach diesem Blog wird sicherlich keiner, der sein Auslandssemester genießen will, mehr als drei Kurse wählen wollen. 

Vorerst sollte ich vielleicht erwähnen, dass das Benotungssystem hier ganz anders verläuft. Während in meinem Studium in Deutschland eine Klausur zu 100% zählt, setzt sich in Kanada die Note aus verschiedenen Leistungen zusammen. Folgende Leistungen können erbracht werden:

Assignments

Falls man nicht (auf) Englisch studiert, ist einem dieser Begriff wahrscheinlich noch nicht im Studium begegnet. Ich kann euch versprechen, Assignments werdet ihr zu genüge im Auslandsstudium kennenlernen. Im Grunde sind es nichts anderes als Hausaufgaben, die man am Ende abgibt und bewertet bekommt. Ich habe in jedem Kurs Assignments, dh. Aufgabenblätter, die man in Stichpunkten oder längeren Sätzen beantworten muss. Davon habe ich dann jeweils 3 Stück pro Kurs und sie zählen durchschnittlich zu 6%. Der Arbeitsaufwand ist aber auch demnach gering. Ich sitze an einem Assignment zwischen 1-2 Stunden.

Essays

Diese Fieslinge waren meine größten Feinde! Essays sind vergleichbar mit Analysen, die man damals im Englischunterricht schreiben musste. Man nimmt ein Thema KOMPLETT auseinander und zerteilt es nochmal in seine Einzelteile. Ok, wieso klingt das jetzt so brutal...? Wie dem auch sei, Essays sind wirklich nervenaufreibend. Ich schreibe gerne, aber es nimmt für mich immer sehr viel Zeit in Anspruch. Aber: Das Gute an Essays (und das, was es von Analysen unterscheidet) ist, dass man seine eigene Meinung reinbringen kann. Außerdem lässt einem ein Essay Spielraum, seinen persönlichen Schreibstil miteinzubringen! Eigene Erfahrungen einzubringen ist immer erlaubt, solange man es mit der Fragestellung verknüpfen kann. Ich habe bis jetzt immer positives Feedback für meine kreative Schreibart bekommen, was z.B. in Deutschland niemals möglich gewesen wäre. Je nach Länge des Essays, macht es 10-30% der Gesamtnote aus. Insgesamt habe ich ca. 7 Essays geschrieben.

Mid-Terms

In der 5. Woche gibt es meist ein Quiz, das ca. 20-30% der Gesamtnote ausmacht. Aber kein Stress nötig! Es wird nur das abgefragt, was drankam und das ist bis dato nicht mal so viel. In einem Kurs durfte ich sogar alle Vorlesungsunterlagen und Mitschriften für das Lösen des Tests benutzen, mehr brauche ich nicht sagen, oder? In meinem Fall wurden gelernte Fachbegriffe abgefragt, in Kurz-Antworten oder langen Antworten. Zweimal wurde in den Tests auch ein Essay von 2 Seiten erwartet. Aber keine Panik - es wurde nur abgefragt, was besprochen wurde. 

Finals

Ich hatte noch nie so eine entspannte Prüfungsphase! In Deutschland nehme ich mir für jede Klausur einen Monat Vorbereitungszeit. Hier haben zwei Tage vorher vollkommen ausgereicht. Natürlich kann man nichts Großartiges erwarten, wenn eine Klausur nur eine Gewichtung von 30% hat... Von den Fragestellungen waren alle meine Finals genauso aufgebaut wie die Mid-Terms.

Und was ist mit dem Rest? Na, hier gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. In einem Kurs zählte der Rest für eine Präsentation, in den beiden Anderen für eine Hausarbeit von 7-8 Seiten, wo das Thema aber vorgegeben ist. Außerdem zählte in einem Kurs 10% die Anwesenheit, in einem anderen wöchentliche Kommunikationen auf der Internetplattform der Uni. 

Was ich euch hiermit darstellen wollte ist, dass es zwar alles an sich nur halb so wild ist, aber wenn man wöchentlich drei solcher Abgaben gleichzeitig hat, kann das echt stressig werden. Und man will ja auch was vom Auslandssemester haben, nicht wahr? Die Uni ist natürlich wichtig, aber man muss auch so viel wie es geht hier erleben.

Ich hoffe ich habe niemanden abgeschreckt. Zeitmanagement ist wie immer (aber besonders hier) alles. Teilweise erinnern die Professoren nicht an Abgaben, also muss man wirklich alles gut im Blick haben und frühzeitig planen. Mein Arbeitsaufwand war nie allzu hoch, aber ich habe immer eine gute Note dafür bekommen. Ich will kein schlechtes Vorbild sein, aber es gab so viele Male, an denen ich lernen sollte und es nicht getan habe... Aber ich habe es noch nicht bereut. Also wenn das mal keine Motivation ist... ;-)

Merve Özyurt zuletzt bearbeitet am 27.12.2018