< zurück zum Blog von Merve Özyurt
< zurück zum Universitätsprofil: Kwantlen Polytechnic University

Here I am!

Nach drei Wochen in Vancouver ist eines Gewiss: Kanadier sind wirklich ANDERS. Ich spreche hier nicht von kulturellen Unterschieden wie Baklava, Bauchtanz oder dem Gebetsruf, den jeder deutsche Tourist in seinem Türkei-Urlaub empfindet. Es geht hier um die unscheinbaren Charaktereigenschaften der Kanadier. Um dies zu merken, musste ich nur einmal den Bus in Vancouver nehmen. Ihr könnt euch mein Gesicht vorstellen, als sich beim Aussteigen alle mit einem kräftigen "Thank you!" bei dem Busfahrer bedankten. Dazu würde der gute alte Ruhrpottler nur sagen: "Hömma, dat is sein Job!". Mit dem Gedanken, dass man sich hier für alles bedankt, wartete ich gespannt auf das Ende der ersten Vorlesung, um so was wie das Tische klopfen oder applaudieren zu hören. Merkwürdigerweise stürmt jeder nach der Vorlesung einfach raus und die Professoren bedanken sich?! Aber alles nach der Reihenfolge.... Aller Anfang ist... verbunden mit Tränen beim Abschied und Rückenschmerzen vom schweren Gepäck! Aber dann saß ich endlich in der Boeing 747, "der Königin der Lüfte". 12 Stunden, zwei Mahlzeiten und fünf (wirklich schlechte) Filme später landete ich in Denver. Ich musste meinen Koffer erstmal abholen und dann sollte ich ihn an die andere Fluggesellschaft übergeben. An den Kontrollen wurde ich dann mehrmals gefragt, was ich hier vorhabe und, wie lange ich bleibe. Außerdem wurden Fotos gemacht und ich musste für jeden einzelnen (!) Finger Abdrücke geben. Von Vancouver nach Denver dauerte es dann 2 Stunden. Meine Beine waren wirklich glücklich darüber, dass das Flugzeug von Air Canada leer war (und nebenbei extrem klein). So konnte ich mich dann einfach auf einen Platz mit mehr Beinfreiheit setzen! In Vancouver angekommen, machte sich bei mir schnell ein mulmiges Gefühl breit, als ich nach einer halben Stunde immer noch nicht meinen Koffer auf dem Gepäckband sehen konnte...Ich hatte es schon geahnt: Der Koffer war noch in den Staaten. Ich musste mich dann vor Ort melden, dass mein Koffer vermisst wird. Sie sagten, dass die USA stichprobenartige Kontrollen vornimmt und mein Koffer am nächsten Morgen an meine Adresse geliefert werden würde. Natürlich war dies nicht der Fall. Also: immer noch etwas Klamotten und Medikamente ins Handgepäck einpacken! Falls ihr noch interessiert daran seid, was man alles so in seinen Koffer einpacken sollte, bin ich definitiv die falsche Ansprechsperson. Ich musste mir hier erstmal Pullis und lange Hosen kaufen. Woher konnte ich denn wissen, dass das Wetter in Vancouver wirklich so wechselhaft ist. Tatsächlich habe ich mich auch jetzt noch nicht daran gewöhnt. Dann kommt es schon mal vor, dass dich leicht bekleidete Menschen anstarren, wenn du mit deiner Winterjacke durch die Straßen läufst. Zum Glück kann ich sie dann am Abend wieder beruhigt tragen! Zurück zum Koffer: Nachdem er am nächsten Morgen immer noch nicht da war, habe ich die Hotline angerufen. Keiner wusste, wo sich der Koffer befand. Frau Steveston, Sie werden es niemals lesen, aber mir tut wirklich leid, was ich gesagt habe! Ich hatte nie vor einen Anwalt zu kontaktieren, geschweige denn einen Bericht über die Fluggesellschaft zu veröffentlichen. Das war zwar gemein, aber der Koffer und 150$ Entschädigung kamen dann schneller an, als ich gucken konnte. Nach zwei Tagen Jogger und Hoodie hieß es dann endlich wieder #outfitoftheday #instastyle #goodlife.  How to be a prepared as an exchange student

  1. Bucht euch für die ersten Tage ein Airbnb und schaut dann nach Wohnungen. Einige haben das nicht gemacht und waren wirklich sehr unzufrieden mit ihrer Bleibe.
  2. Wenn es geht, solltet ihr einen Stopp in den USA vermeiden. Das mit meinem Koffer war wohl kein Einzelfall!
  3. Gebt ruhig auch mehr aus für einen guten Adapter. Ich habe einen 3-er Pack aus Amazon bestellt. Ich hatte das Gefühl, mein Akku geht davon kaputt. Deshalb habe ich mir ein Adapter-Set von Apple für mein Macbook (35$) und einen seperaten Adapter für mein Iphone (23$) gekauft. Sowohl mein Glätteisen, als auch mein Lockenstab funktioneren übrigens nicht mit den günstigen Adaptern. 
  4. Kauft euch ein aufblasbares Nackenkissen!!! Ich habe mir vor dem Flug eins für 10 Euro aus Amazon bestellt und würde es jedem empfehlen. Ich habe im Flugzeug geschlafen wie ein Baby. Oropax und Schlafmaske inklusive.
  5. Packt keine oder wenig Sommersachen ein. Macht es einfach nicht :D Übergangsjacken sind aber eine gute Idee.
  6. Elektronik solltet ihr ins Handgepäck packen. Falls der Koffer verloren geht, kriegt ihr höchstens Entschädigungen im Wert von 1.500, sodass dies teilweise nicht mal euren Laptop abdeckt. Zumindest wenn er von Apple ist...
  7. Blöcke, Ordner etc. könnt ihr auch hier kaufen. Nutzt den Platz für andere Dinge.
  8. Schaut euch erstmal die Stadt und das Verkehrsnetz genau an, entscheidet euch danach, in welchem Stadtteil ihr bleiben wollt.
  9. Wohnungsbesichtigungen solltet ihr vor Ort unternehmen. Die Vermieter sind hier total spontan.
  10. Macht euch schon vorher ein paar Freunde, mit denen ihr dann die ersten Tage was unternehmen könnt. Dafür könnt ihr die IEC Facebook-Gruppe verwenden.

How to find a room Die ersten Tage habe ich in einem Airbnb in Vancouver verbracht. Anschließend habe ich zwei Besichtigungen gemacht und mich direkt für ein Homestay in Richmond entschieden. Ein Studentenwohnheim hat die KPU leider nicht. Die Uni hat vier Standorte, dazu zählt auch Richmond. Ich habe zwei Kurse in Surrey (von mir etwa 1 Stunde) und einen Kurs in Richmond. Surrey sprach mir leider gar nicht zu, weshalb ich mich für Richmond entschieden habe. Mit dem Skytrain brauche ich 25 Minuten nach Downtown, was ich vollkommen in Ordnung finde. In Richmond gibt es auch ein großes Einkaufszentrum und ein gutes Verkehrsnetz. Ich fühle mich hier sehr wohl und würde immer wieder die selbe Entscheidung treffen. Die Mietkosten betragen hier 700$. Die Kosten für eine Wohnung in Downtown betragen ungefähr das doppelte. Bei der Wohungssuche sollte man also echt abwägen, was einem am wichtigsten ist. Solange es nah am Skytrain ist, macht der Weg einem echt nichts aus. How to be a typical tourist in Vancouver Nachdem die größten Hürden überwunden wurden, ging es los mit dem Sightseeing. Vancouver hat unglaublich viel zu bieten. Ich stelle euch mal vor, was ich alles bis jetzt gemacht habe.

  1. Stanley Park: Der Park ist wirklich unglaublich schön und riesig. Ich habe immer noch nicht alles gesehen, obwohl ich schon zweimal dort war. Ich habe mir dort ein Fahrrad für 18$ für 5 Stunden gemietet und das war ein unvergessliches Erlebnis. Das Highlight war die Aussichtsplattform, welche einen wunderbaren Blick auf die Lions Gate Bridge gab.

Lions Gate Brigde
 

  1. Lynn Canyon Park: Ein echter Geheimtipp für diejenigen, die keine 55$ für die berühmte Capilano Suspension Bridge ausgeben wollen. Schwimmsachen einpacken - dort gibt es einen See mit kristallklarem Wasser! 

  1. Grouse Mountain: 2900 Stufen auf einer Strecke von 3 km. Es war extrem anstrengend, aber es hat sich gelohnt! Die Aussicht war atemberaubend. Für 15$ muss man sich ein Ticket für die Gondelfahrt nach unten holen - was aber auch unglaublich schön war.

Aussicht vom Grouse Mountain

  1. Victoria: Für einen Tagestrip ist das wirklich ein passender Ort, da es mit der Fähre zu erreichen ist (17$ pro Fahrt). Von dort muss man einen Bus nach Victoria nehmen. Eine Stadt mit britischem Charme auf Vancouver Island!
  2. Cypress Provincial Park: Dieser Park befindet sich in West Vancouver und hatte eine wunderschöne Aussicht. Jedoch würde ich eher empfehlen, dies mit dem Auto zu besichtigen. Wir waren zu Fuß unterwegs und da keine Menschenseele dort gehiked ist, haben wir den Weg entlang des Highways zurück genommen und sind bis zum Seawalk gelaufen. Es fühlte sich dort an wie als wäre man in Kalifornien am Strand. Vancouver von einer ganz anderen Seite!

Highway auf dem Cypress Mountain

  1. Downtown: Wow, Downtown ist wirklich vielseitig. Je nach Straße laufen dir komplett unterschiedliche Menschen entgegen. Hier muss ich leider auch sagen, dass es wirklich schmutzig ist und dort eine Menge Obdachlosigkeit herrscht. Wer die Aussicht genießen will und vielleicht etwas Heimweh hat, sollte sich am Canada Place ein Dürüm beim Türken holen - der schmeckt unglaublich. Wem die Aussicht von unten nicht reicht, kann auch für  den Studentenpreis von 12,50$ auf den Aussichtsturm im Herzen der Stadt. Ich war dort bei Nacht und kann es empfehlen.  Zum Shoppen gibt es hier große Einkaufszentren. Abends öffnen auf der Granville Street etliche Bars, Clubs und Restaurants ihre Türen. Hier ist wirklich für jeden was dabei.
  2. Bike the Night: Das war wirklich ein unglaubliches Erlebnis! Alljährlich treffen sich tausende von Menschen um gemeinsam durch Vancouver bei Nacht zuradeln. Dabei haben sie sich und ihr Fahrrad mit bunten Lichtern verkleidet. Es gab auch noch viele Werbegeschenke. Die KPU hat dies kostenlos angeboten, jedoch beträgt der normale Preis 20$.

How to be a typical exchange student in Vancouver Die Uni hat am 3. September offiziell begonnen. Vorher gab es noch einige Events, an denen man teilnehmen konnte. Diese Tipps werden euch garantiert helfen!

  1. Kaffee holt man hier bei Tim Hortons, nicht bei Starbucks. Um zu den coolen Kids dazu zugehören, solltest du dir dort einen "Ice-Cap" kaufen und damit dann mit einem KPU Pulli über den Campus schlendern.
  2. In den Language Kursen kennen sich die Studenten leider nicht so gut untereinander. Also musst du die Initiative ergreifen und die schüchternen Kanadier ansprechen. Alle sind sehr nett und hilfbereit.
  3. Bei den Orientation Days hast du nichts gelernt, aber dafür ein KPU-Tshirt, eine Wasserflasche und einen Thermosbecher ergattert und außerdem 20 Deutsche getroffen.
  4. Zu Beginn eines jeden Kurses müssen sich alle vorstellen. Das heißt wenn man als einziger Student sagt, man kommt aus Deutschland, drehen sich plötzlich alle um und mustern dich...
  5. Die Campusse sind relativ klein. Du siehst ständig bekannte Gesichter und stoppst mindestens einmal um ein Pläuschchen zu halten.
  6. Deine Professoren machen 15-Minuten Pausen, in denen sie im Klassenraum warme Mahlzeiten essen und mit den Studenten quatschen. 
  7. Du wirst fluchen, wenn du deinen Bus in Surrey verpasst. Man muss wirklich lange auf den nächsten Bus warten.
  8. Im Bookstore kriegst du eine Panikattacke, wenn du die Rechnung deiner Bücher siehst. Dann gibst du die Bücher wieder ab und sagst "Die kriege ich doch günstiger im Internet!". Wenn du dann bemerkst, dass das nicht stimmt, gehst du wieder in den Bookstore und redest dir ein, dass es gar nicht so viel ist, wenn du es in Euro umrechnest.
  9. Nach 90-Minuten deiner Vorlesung denkst du dir, dass du in Deutschland jetzt schon Schluss hättest und bedauerst dann, dass du noch das doppelte vor dir hast, weil die meisten Vorlesungen hier stolze 170-Minuten dauern.
  10. Als du gehört hast, dass du das Fitnessstudio für 20$ 4 Monate nutzen kannst nimmst du dir vor dich anzumelden. Nach einem Monat denkst du dir, es ist sowieso schon zu spät und meldest dich letztlich nie an.
  11. Du hast vergessen deine ID-Card vorher zu beantragen und endest damit, das schrecklichste Foto von dir in der Bücherei schießen zu lassen. 
  12. Die Compass Card (eine Art Semesterticket) ist dein Heiligtum und du hast ständig Angst, sie zu verlieren oder zu vergessen.
  13. Du willst alle Sportangebote der Studentenvereinigung ausnutzen und vergisst dann, dich anzumelden. Dann kannst du eines Tages nicht mit zum Deep Cove Kayaking :-(

Das wars wieder von mir. Ich hoffe, ich konnte euch ein paar hilfreiche Tipps auf den Weg geben! Bis bald. Für mehr Bilder: Folgt mir auf Instagram: @mervit

Merve Özyurt zuletzt bearbeitet am 14.11.2018