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Vergleich USA-Deutschland

Hallo liebe Leute,

Es sind wieder zwei Wochen rum!  Heute will ich ein wenig auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der deutschen und amerikanischen Bildungssysteme eingehen und einen neutraleren Text verfassen, nachdem ich in den letzten zwei Blogposts ein wenig zu sehr gehatet hab.  Ihr sollt  keineswegs den Eindruck bekommen, dass hier in New York alles madig ist, im Gegenteil, ich genieße bis dato die beste Zeit meines Lebens.

Zunächst erläutere ich kurz meinen Hintergrund. Wie ihr vielleicht schon wisst, habe ich an der Hochschule München den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen absolviert und wollte nochmal ins Ausland, bevor ich in Deutschland ein Masterstudium anfange. Hier findet man schon den ersten Unterschied zwischen  den Deutschen und Amis. In den USA ist das Bachelorstudium etabliert und anerkannt und so springen üblicherweise viele Amis danach direkt ins Berufsleben. Ich wurde hier mit vielen fragenden Ami-Gesichtern konfrontiert, warum ich in Deutschland ohne Berufserfahrung gleich einen Master draufsetzen will. Nun ja, der Bachelor zählt in Deutschland einfach wenig(er) und ich habe Lust so lange zu studieren bis meine Eltern und das Bafög-Amt mir den Geldhahn zudrehen. (Nein ich bin kein Sozialschmarotzer und verdiene nebenbei auch meine eigenen Pfennige. Okay, vielleicht ein halber Schmarotzer).

Da ich keinerlei akademische Verpflichtungen gegenüber meiner Heimathochschule habe, durfte ich sozusagen meine Fächer frei nach persönlichem Interesse wählen und so kam die unorthodoxe Fächerkombination aus Astrophysik, App-Programmierung und Musik zustande. Wieder ein Unterschied zwischen USA und Deutschland. Hier an der Columbia wird sehr viel wert gelegt auf die Allgemeinbildung und Über-den-Tellerrand-Schauen. Soweit ich weiß, ist man in seinen ersten Semestern dazu verpflichtet Fächer über das sogenannte Core Curriculum belegen. Man kann sich das in etwa so vorstellen, wie damals in der Schule, als man von Sport bis Physik ja nach Schwerpunkt eine breitgefächerte Kombination zu absolvieren hatte. So hat beispielsweise ein Business-Major an der Columbia bestimmt schon Kurse in Literatur oder Kunst belegen müssen. Und das Core Curriculum macht fast 50% des Studiums aus. Im Gegensatz dazu bleibt man in Deutschland nahezu auf einem Track und studiert von vorne bis hinten beispielsweise Pferdewissenschaften und zum größtenteils nur Pferdewissenschaften (Wird tatsächlich an der Uni Göttingen angeboten). In den USA kann ein Anwalt ebenso in Kunstgeschichte abgeschlossen haben. (Kann man in Deutschland auch, aber werden als zwei Studiengänge angesehen, während man in den USA seine undergraduate studies in Kunstgeschichte machen kann und daraufhin seinen „Master“ in Law).

Was mir auch an der Columbia aufgefallen ist, dass hier sehr viel nach Prestige und Wettbewerb geht. Die Unis konkurrieren gegeneinander in Bezug auf Reputation, Sport, finanzielle Mitteln etc. So findet man hier lauter Profs mit Rang und Namen. Mein Astrophysik-Prof baut zum Beispiel Satelliten für die NASA und schreibt nebenbei Jokes für die TV-Shows Futurama und Simpsons. Ein VWL-Prof ist Vorstand des amerikanischen Fußballverbands. Ein anderer Finanzvorstand beim FC Barcelona. Die Liste kann ich ewig weit fortsetzen. Die Leute wissen definitiv wovon sie sprechen.

 

Ich muss leider hier an der Stelle abbrechen, da ich in einer Stunde eine Hausaufgabe abzugeben habe. Im nächsten Blogeintrag geht es mit diesem Thema weiter und da erkläre ich euch, was es mit den Hausaufgaben auf sich hat. Man sieht sich!

 

Euer Lieblingsasiate Viet

CU Homies

Viet Le zuletzt bearbeitet am 12.02.2015