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Concrete Jungle

Hallo Leute,

 

es sind mittlerweile 2 Wochen rum und die Uni hat auch schon angefangen. Die ersten Tage waren natürlich den Touri-Aktivitäten gewidmet und so bin ich mit Handy-Cam losgezogen und habe gefühlte 3000 Selfies vor New Yorker Sehenswürdigkeiten geschossen und dadurch auch die Brooklyn Bridge halb blockiert. Wie man es halt von einem asiatischen Touristen erwartet. 

In dieser Zeit habe ich im hippen Stadtteil Chelsea gewohnt, in der man den High Line Park, den Chelsea Market, diverse Art Galleries und die ausgeprägteste Lesbian/Gay/Bisexual/Transgender-Szene der Stadt finden kann. Zum Uni-Start bin ich in den Norden gezogen, genauer gesagt in den Westen von Harlem, wo sich auch die Columbia University befindet. 

Anfangs hatte ich Bedenken nach Harlem zu ziehen, denn es gibt diverse Geschichten über Kriminalität und Armut, vor allem im Norden und im Osten New Yorks, aber ich kann mittlerweile die Befürchtungen entkräften, da ich bis heute noch nicht ausgeraubt worden bin. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich erst seit 7 Tagen hier wohne oder so aussehe als ob ich kein Geld besäße. 

Apropos Geld: Ich habe in der Tat keines mehr für diesen Monat. New York hat mich pleite gemacht. Ich komme ja aus München, die als teuerste Stadt Deutschlands gilt mit der durchschnittlichen Kaltmiete von 12,20€ pro Quadratmeter. So zahle ich ca 450€ für ein großes Zimmer in München, was teuer aber bezahlbar ist. Jetzt kommts: Für die Bude in Harlem hingegen muss ich umgerechnet 1000€ (Eintausend) hinblättern. Wer jetzt erwartet, dass ich in einem fancy Penthouse mit Blick auf die New Yorker Skyline lebe, irrt sich gewaltig. Mein Zimmer hat gefühlte 7 Quadratmeter, die Heizung lässt sich nicht abdrehen, der Kalt/Warmwasser Regler in der Dusche ist abgerissen, die Matratze fühlt sich an wie ein Fließboden, das Internet ist so schnell wie zu deutschen ISDN-Zeiten, ich habe noch keinen meiner 3 Mitbewohner persönlich getroffen, in der Spüle sind Kakerlaken, die Fenster sind undicht, man sieht nur Beton und Ziegeln beim Rausgucken und es gibt kein Licht im Gang. Aber wie ich gehört habe, ist das normal in New York. Was für amerikanische Erstsemestler auch noch Gang und Gebe ist und für uns verwöhnten Deutsche völlig neu ist, ist das Teilen des Zimmers mit mehreren Leuten. Jugendherberge-Style. Angenommen man benötigt mal etwas Quality-Time mit seiner Freundin, bittet man seine Roommates höflich nach draußen zu gehen und in 4 Minuten wiederzukommen. True Story, das ist nicht erfunden. Ich habe nämlich einen Studenten der NYU kennengelernt, der mit 4 anderen Studenten in einer 2-Zimmer-Wohnung in Stuyvesant Town lebt. So kann er die Miete auf humane $600 pro Monat drücken, was mittlerweile umgerechnet, ja, auch fast wieder €600 Euro ergibt, weil der Euro zurzeit kaum mehr was wert ist.

Geht man in den Supermarkt trifft auch hier einen der Schlag. Wasser ist teilweise genauso teuer wie Cola, Fleisch doppelt so teuer als in Deutschland und Zigaretten sind unbezahlbar. Die Plörre, die sie hier Bier nennen, kostet im Lokal mindestens $7, ein Restaurantbesuch mindestens $25 plus 20% Trinkgeld. Zahlt ihr nicht das Trinkgeld, wird es ungemütlich. Geht man in den Club ohne Promoter (Promoter ist jemand der vom Club bezahlt wird und dafür sorgt, dass der Club voll ist. Promoter zahlt üblicherweise den Eintritt und die Getränke für die weiblichen Gäste. Ja, Ami-Logik. Ami-Logik ist auch, dass man hier gegen den Uhrzeigersinn die Türen aufsperrt und öffnet) und besitzt kein Ticket für die Veranstaltung, ist man schon am Eingang ungelogen $40 los. 

Was ich in diesem Blogeintrag sagen will, ist: Plant genügend Geld mit ein, solltet ihr in New York studieren und leben wollen. Noch dazu ist der Lebensstandard für die Studentenschicht ein etwas anderer als in Deutschland. Und nein, ihr lebt hier leider nicht wie in Gossip Girl.

Bis in zwei Wochen wieder,

 

euer Lieblingsasiate, Viet.

Morning side Heights, Harlem

Viet Le zuletzt bearbeitet am 24.01.2015